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Wein-Lexikon

Ein Wein für sich genommen kann einen noch so tollen Trinkgenuss bieten, wenn er nicht zum gewählten Essen passt, ist es mit dem Genuss vorbei. Man muss sich schon etwas intensiver mit der Materie beschäftigen, um herauszufinden, welche Weine mit welchen Speisen harmonieren. Zumal es in der Regel fast unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten gibt, die man sich in einem jahrelangen Erfahrungsprozess regelrecht erarbeiten muss.

Der Umgang mit Wein

Der internationale Trend beim Weinkonsum geht in Richtung "trinke weniger aber besser". Rahmenbedingungen wie Anti-Alkoholkampagnen, Diskussionen um Promillegrenzen, Fitness- und Gesundheitswelle sorgen zusätzlich dafür, dass Weinkonsumenten weniger Wein trinken. Dafür darf's dann aber etwas Besseres oder teures sein. "Geniessen" und "etwas erleben" stehen dabei im Vordergrund. Weintrinken bedeutet nicht blossen Weinkonsum, sondern ein Erlebnis. Zu diesem Erlebnis gehört auch das Fachsimpeln über Weine, Regionen oder bestimmte Weinmacher. Das Weinwissen auf Konsumentenseite hat in den letzten Jahren immens zugenommen. Auf der anderen Seite sind dadurch die Ansprüche und Anforderungen an Weinvekäufer im Handel, bzw. Sevicemitarbeiter in der Gastronomie gestiegen. auf die Frage "Wie schmeckt dieser Tropfen eigentlich?" muss da schon mehr kommen als "ausgezeichnet", "einfach super", "der wird ihnen sicherlich munden" usw. Das andere Extrem bilden zu sehr ins Detail gehende Wein-Charakterisierungen, die bei manchem Gast nicht gut ankommen. Für eine kompetente, aussagefähige Weinbeschreibung reicht es unseres Erachtens aus über folgende Eigenschaften zu informieren: Farbe, Geruch, Aroma, Geschmack, Körper sowie Alter bzw. Reife.

Weinsorten

Blanc de Blancs
Franz. Bezeichnung für aus weissen Trauben hergestellten Wein, besonders Schaumweine, denn der Grossteil des Champagners wird aus roten Trauben "weiss" gekeltert, d.h. es fermentiert nur der weisse Traubensaft ohne die Schalen, die den roten Farbstoff enthalten
Champagner
Feinperliger, ausgeglichener Schaumwein höchster Qualität aus der Champagne, hergestellt nach traditioneller Art (Flaschengärung, handgerüttelt, mind. 1 Jahr gelagert - meist aber 3-4 Jahre)
Cuvée
beim Schaumwein, Sekt oder Champagner eine Kombination aus Grundweinen verschiedener Lagen, Rebsorten und auch Jahrgängen, alle aber jedoch aus einem Anbaugebiet. Dieses Cuvée bestimmt den Charakter und den Geschmack der Marke
Calvados
Edelbrand aus Apfelwein - je älter umso besser
Cognac
Spitzenweinbrand aus gleichnamiger franz. Region, jahrelang in Holzfässern gelagert und nur aus ausgesuchten Spitzenweinen gebrannt
Crémant
Schaumwein mit besonders hohen Qualitätsansprüchen, jedoch nicht aus der Champagne, Flaschengärung und mindestens 9 Monate in der Flasche gelagert
Federweisser
Gärender Most
Grappa
Tresterbrand italienischer Herkunft - mindere bis Spitzenqualitäten möglich, auch im Barriqueausbau möglich
Likörwein
Wein der durch Zusatz von Alkohol oder konzentriertem Traubenmost einen Gesamtalkoholgehalt von mindesten 17,5%vol. und höchstens 22%vol. aufweist, muss nicht Notwendigerweise sehr süss sein
Nouveau
Franz. Bezeichnung für jungen, frischen Rotwein (Tafelwein), der kurz nach Abschluss einer schnellen Fermentation abgefüllt wird und innerhalb weniger Monate getrunken werden sollte
Portwein
Einer der bekanntesten und hervorragendsten Likörweine der Welt aus Nordportugal im Bereich der Stadt Porto
Primeur
Wie Nouveau
Rosé
Wein aus roten Trauben, die aber nicht mit der Schale vorfermentiert, sondern gleich gekeltert werden. Deshalb kommt nur wenig roter Farbstoff in den Wein
Rotwein
aus roten Trauben
Schaum- (Perl)wein
ein Rot- oder Weisswein (auch Rosé) mit natürlicher oder zugesetzter Kohlensäure
Sekt
in Deutschland gebräuchlichste Bezeichnung für Qualitätsschaumwein der eine amtliche Prüfnummer aufweisen muss
Sherry
Ein ausgezeichneter, gespriteter Likörwein aus Spanien in der Region um die Stadt Jerez de la Frontera angebaut und nach traditionellen Soleraverfahren ausgebaut wird. Im allgemeinen werden vier Arten unterschieden:
  • Fino hell, delikat, durchwegs trocken
  • Amontillado bernsteinfarben, intensiv, nussartig, im Export halbtrocken
  • Oloroso altgoldfarben, anhaltend, sehr aromatisch, trocken, im Export überwiegend mehr oder weniger süss
  • Crem ein sehr süsser Oloroso, dunkle Farbe, weich und voll, im Geschmack an Rosinen erinnernd
Weisswein
Wein aus weissen Trauben

Die Weinsprache

Abgang
Nachgeschmack
alkoholreich
Bei kräftigen Weinen positiv; bei kleinen, dünnen Weinen negativ - brandig
Aroma
Duft und Geschmacksbild
Ausdruck
s. Charakter
Blume
Positive Duftempfindung
brandig
stark unharmonisch durch zu hohen Alkoholgehalt
brut
Bezeichnung für die in der Regel trockensten Champagner und Schaumweine
Bukett
Duft und Geschmacksbild von gereiften Weinen
demisec
Halbtrocken
doux
Süss
edel
Hochwertig, fein, erlesen
elegant
Harmonisch, ausgewogen
Farbe
Nur positiv, wenn trauben-, gebiets-, prädikats- und alterstypisch
fest
Kräftig, aber noch unreife Säure
Finesse
Zart, elegant, fein
Firne
Oxidationsbukett, bei älteren Weinen typisch, bei jüngeren fehlerhaft
fruchtig
Gute, typische Frucht
halbtrocken
Wein, der bis 18g/l Restzucker besitzt
Gärung
Umwandlung des Fruchtzuckers in Kohlensäure und Alkohol
geschmeidig
Rund, anschmiegsam
gerbstoffhaltig
Schmeckt nach Holztannin (meist bei Rotweinen)
Grad Oechsle
Reifemass - der Zuckergehalt der Trauben ist der Massstab für die Reife und er bestimmt das Mostgewicht das in Oechslegraden ausgedrückt wird
harmonisch
Gut ausgewogen und abgestimmtes Geschmacksbild
herb
Gerbstoff (=tannin) betont, hat nichts mit "trocken ausgebaut" zu tun
herzhaft
Gute, kräftige Art mit guter Säure
hochfarbig
Bei sehr alten Weinen normal, bei jüngeren fehlerhaft
kernig
Kräftig mit guter Säure
kraftvoll
Mit gutem Körper und Alkoholgehalt
kurz
Ist nach dem Trinken gleich weg, hat keinen Abgang
leicht
Meist süffig, nicht anspruchsvoller Wein zum jungen Trinken
lieblich
Mild, über 18g/l Restzucker
madeirisiert
Oxidiert, firn, alt
mild
s. lieblich
moelleux
s. lieblich
nervig
Mit guter Säure und Kraft
pikant
Guter, eleganter Wein mit fruchtiger Säure
rassig
Herzhaft mit guter, kräftiger, angenehmer Säure
reintönig
Sauber, ohne negativen Nebengeschmack
Restzucker
Je nachdem wie lange man den Most gären lässt, wird der Fruchtzucker ganz oder nur zum Teil verbraucht und man erhält trockene, halbtrockene oder milde Weine
rund
Voll, spricht den ganzen Mund auf angenehme Weise an
sauber
Meist bei kleinen Weinen, die keine negativen Merkmale haben
sec
Trocken
sortentypisch
Gibt die Eigenschaften der angegebenen Rebsorten wieder
spritzig
Lebhafte Säure mit etwas Kohlensäure
saftig
Fruchtiger,vollmundiger Wein mit guter Säure und kaum spürbarer Restsüsse
schal
Abgebauter Wein, der kaum mehr Säure aufweist und ohne Charakter ist
schwer
Alkohol- und körperreicher Wein
strahlig
Weine, die eine sehr hohe Säure haben und harmonisch sind
süffig
Erfrischend, leicht, gefällig
trocken
Wein mit wenig Restsüsse - max. 9g/l, die durch gute Säure verdeckt ist
würzig
Ausgeprägter,sortentypischer Wein mit gutem Gehalt, Frucht und Aroma
zart
Fein, delikat, meist für ältere Weine

Wein als Apéritif


Als Apéritif eignen sich neben Sekt und Schaumweinen auch ältere Weiss- oder Weissherbstweine. Besonders zu empfehlen sind Weine von Reben mit kräftiger Würze. Als Beispiel seien unter vielen Möglichkeiten angeführt: Traminer, Gewürztraminer, Muskateller und ältere Scheurebe.

Die Wahl des Weins richtet sich nach dem Menü und vor allem nach dem Wein, der zum ersten Gang gereicht wird. Es ist durchaus möglich, den Wein, der zum ersten Gang vorgesehen ist, auch als Apéritif anzubieten. Dies wird vor allem von denjenigen begrüsst, die ungern im Laufe des Abends verschiedene Weine trinken.

Die Wahl des Apéritifweins richtet sich nach dem Anlass, dem Gästekreis und der Jahreszeit. An warmen Tagen kommen besonders spritzige, junge Weine oder eine erfrischende Bowle gut an.

Für die Bowle tut man je nach Rezept gut daran, nicht zu bukettreiche Weine zu nehmen. Dabei spielt neben dem Geschmack des verwendeten Sekts oder Schaumweins - ob trocken, halbtrocken oder mild - auch die Qualität, was die Würze und die Säure angeht, eine wichtige Rolle. Die fertige Bowle darf etwas säuerlich, aber nicht zu sauer, schmecken.

Nach Möglichkeit sollen Apéritif und Mundhappen nicht miteinander konkurieren. Süsses Gebäck ist zu Beginn eines Essens ungeeignet. Oliven, vor allem, wenn sie kräftig im Geschmack sind, passen nicht zu Weinen mit Restsüsse. Kartoffelchips mit Zwiebelgeschmack und dergleichen werden meistens dem Wein das Leben unnötig schwer machen.

Allzu säurehaltige oder salzige Speisen, wie zum Beispiel Blätterteigstäbchen mit Sardellen werden den Wein schädigen und keine Harmonie bilden.

Sekt und Schaumwein als Apéritif

Kaum ein anderes Getränk vermag so schnell für gute Stimmung unter den Gästen zu sorgen. Wir wissen, dass Weinalkohol, in vernünftigen Mengen konsumiert, für eine gesellige Atmosphäre sorgen kann. Dies ist umsomehr der Fall, wenn dieser die Form eines kohlensäurehaltigen,spritzigen und erfrischenden Getränks hat.

Welcher Wein ist der Richtige?

Man hört immer wieder die Ansicht, Weisswein passe generell zu weissem Fleisch und Rotwein zu rotem Fleisch. Diese Faustregel ist nicht nur sehr oberflächlich, sondern kann auch völlig falsch sein. Viel entscheidender als die Fleisch- oder Fischsorte ist deren Zubereitung und die sie begleitende Sauce.

Neue, kreative Arten zu kochen, die leichte, phantasievolle und auf natürliche Aromastoffe ausgerichtete Küche, lassen völlig neuartige Kombinationen zu und eröffnen vor allem dem Weisswein neue Einsatzfelder.

Ein Weisswein mit sehr guter Reife und Würze, wie zum Beispiel ein Grauburgunder oder ein Gewürztraminer kann auch zu Wild sehr gut passen. Dabei sollte das Wild, das ebenfalls kräftig, würzig und leicht süsslich ist und wegen des Geschmacks (auch wegen der Verdauung), mit säuerlichen Früchten wie Preiselbeeren oder in Wein gekochten Birnen serviert werden.

Credo sollte vielmehr die Harmonie als auch der Kontrast und der Akzent sein. Die angestrebte Harmonie lässt sich allerdings nur dann erreichen, wenn sich Wein und Speisen besonders ähnlich sind, d.h.wenn Rohstoffe, Zutaten und Zubereitung der Speisen Ähnlichkeiten in Fülle und Gehalt, Duft- und Geschmacksnoten sowie Duft- und Geschmacksintensität gewährleisten.

Fruchtige Rotweine passen zu gebratenen Fleisch-, gegebenenfalls auch zu Fischsorten, die nur kurz gebraten und mit einer leichten, fruchtigen und säuerlichen Sosse serviert werden.

Mehr gerbstoffbetonte Weine verlangen gehaltvolle Speisen, wie Braten mit kräftiger Sosse oder Schmor- und Ragoutgerichte.

Ein Rosé oder Weissherbst wird mit Speisen, die leicht fruchtig und bitter sind, eine sehr gute Harmonie bilden, da sie gerade soviel Tannin / (Gerbstoff) haben, wie sie die Bitterstoffe im Gericht benötigen.

Ähnlich gut würde dazu ein Sekt oder Schaumwein passen. Kohlensäurehaltige Getränke haben jedoch den Nachteil, dass sie den Gaumen schneller abstumpfen. Sie sind daher weniger geeignet, wenn es darum geht, im Gourmetkreis Speisen und Weine vom Anfang bis zum Ende des Menüs zu analysieren und zu diskutieren.

Die Vermählung von Wein und Speisen gleicht dem Aufbau einer Symphonie, wo jedes einzelne Thema sein eigenes Leben und seine persönliche Geschmackskomponente behält und innerhalb des Ganzen zu einer Synthese wird.

Drei Grundsätze sind dabei zu beachten:
  • Der Wein soll den Geschmack der Speisen unterstreichen, er darf höchstens leicht dämpfen, nicht jedoch vollkommen überdecken
  • Die Weinfolge soll (ebenso wie die Speisenfolge) in Aroma und Geschmack sowie in Gehalt und Fülle eine Steigerung erfahren
  • Ein Wein hat bei Tisch drei Feinde die ihn angreifen
Essig (z.B. ein mit zuviel Essig angemachter Salat), spitze Säure von Zitrusfrüchten, Öl (z.B. bei öligen Fischarten, die besonders Rotwein einen metallischen Geschmack verleihen können)

Zusammenspiel zwischen Wein und Speisen

Das Zusammenspiel zwischen Wein und Speisen richtet sich nach dem schmeckbaren Gehalt an Alkohol, Bitterstoffen, Fett, Gewürzen, Salz, Säure und Süsse. Schauen wir uns an welche Einflüsse diese einzelnen Stoffe auf unsere Geschmacks- und Verdauungsorgane ausüben.

Alkohol erhöht den Eindruck der Süsse, verstärkt die Wirkung von Gewürzen und verhilft zu einer funktionierenden Verdauung. Ein niedriger Alkoholgehalt im Wein lässt die Restsüsse stärker hervortreten. Durchgegorene Weine (ohne Restsüsse) mit hohem Alkoholgehalt wirken milder als durchgegohrene mit niedrigem Alkoholgehalt.

Bitterstoffe, die sich im Wein oder durch Rösten, Grillen bzw. Schmoren in den Speisen befinden, harmoniesieren die Süsseempfindung und mässigen die Säureempfindung. Bitterstoffe werden langsamer wahrgenommen, halten aber lange an. Sie sind bekömmlicher in Verbindung mit gerbstoffhaltigen, alkoholreichen Weinen.

Stark fetthaltige Speisen sind bekömmlicher mit Weinen, die reich an Säure, Gerbstoff und Alkohol sind. Diese drei Weinkomponenten regen übrigens Appetit und Verdauung besonder an.

Kräftig gewürzte Speisen (z.B. Pfeffer, Chili, Curry, Tabasco) schmecken in Verbindung mit alkoholreichen Weinen noch kräftiger. Bei Weinen, die neben einem hohen Alkoholgehalt auch noch eine kräftige Säure besitzen, ist deshalb äusserste Vorsicht geboten.

Kohlensäure im Wein (vor allem im Sekt) verdeckt teilweise die Süsseempfindung. Zu Speisen getrunken wirken diese (Schaum) Weine süsser als sie tatsächlich sind. Schaumweine der Geschmacksrichtung trocken/brut sind zum Essen besser geeignet als die Milden (Ausnahme - Desserts).

Salz steigert die Wahrnehmung der Aroma- und Bitterstoffe in Wein und Speise.

Säure unterstützt die Süsse (z.B. Zitronensaft auf Erdbeeren). Vorübergehend verdeckt sie auch Bitterkeit. In Verbindung mit stark säurehaltigen Weinen werden säurehaltige Speisen unbekömmlich und können Sodbrennen verursachen. Fetthaltige Speisen werden hingegen durch Wein mit guter Säure leichter verdaulich.

Süsse erhöht schliesslich die Wahrnehmung der Aromastoffe im Wein und mässigt den Eindruck von bitter und sauer. Sehr trocken ausgebaute Weine wirken in Verbindung mit Speisen (da diese Salz und Zucker enthalten) milder und harmonischer.

Weinauswahl

Die optimale Auswahl von Weinen zum Essen obliegt zudem einer Anzahl weiterer Kriterien wie: Tageszeit, Jahreszeit, Aussentemperatur, Anlass (feierlich, sachlich), Zusammensetzung des Personenkreises (Alter, Weinverständnis), Preis oder Menüfolge.

Die Weine "sollten" möglichst in folgender Reihenfolge serviert werden:
zart vor würzig
  • leicht vor kräftig
  • trocken vor mild/süss
  • weiss vor rot
  • kühl vor warm
  • alkoholarm vor alkoholreich
Ähnlich verhält es sich bei Speisen, wo die Devise heisst:
  • zart vor würzig
  • leicht vor kräftig
  • leicht salzig vor mild/säuerlich
In welcher Kategorie der jeweilige Wein einzuordnen ist, ist von verschiedenen Produktmerkmalen abhängig z.B.
  • Rebsorte
  • Herkunft
  • Qualitätsstufe
  • Geschmacksbezeichnung
  • Alter
Welcher Gruppe die Speisen zugeordnet sind, hängt von der jeweiligen Zubereitungsart ab. Jedes Gericht bekommt einen anderen Geschmackseindruck, wenn es gedünstet, gebacken, gebraten, gekocht oder geschmort wird. Die dazu gereichte Sosse, cremig mit Sahne oder kräftigen Röststoffen des Bratenfonds, wie auch die Verwendung von Gewürzen und Kräutern sowie alle anderen Beilagen können die Grundsubstanz, wie Fisch oder Fleisch, beträchtlich verändern. Es ist daher eine reizvolle Aufgabe, für die einzelnen Gänge, unterschiedliche Weine auszusuchen. Bei kleineren Essen richtet man sich nach den hervorstechendsten Geschmackseindrücken.
Je ähnlicher sich Wein und Speisen im Grundcharakter (leicht bis gehaltvoll und dezent bis würzig) sind, desto leichter ist es, eine harmonische Verbindung zu erreichen.
Harmonie ist Gleichklang und Ergänzung.

Welches Glas

Die Entscheidung, welcher Glasform vorzuziehen ist, hängt wesentlich von der Art des Weines, den man kredenzen will. Bei der Auswahl des richtigen Glases spielen eine Vielzahl von Kriterien eine Rolle. Vor allem ist darauf zu achten, dass sowohl die Farbe als auch die Duftstoffe und der Geschmack des Weines voll zur Geltung kommen. Am besten sind Gläser, die farblos und klar sind. Nur so können Farbe, Reinheit und Dickflüssigkeit des Weines voll gewürdigt werden. Auch die Länge des Stieles ist wichtig. Dieser soll so lang sein, dass die Hand mit dem Kelch nicht in Berührung kommt und den Wein im Glas nicht erwärmt. Weissweingläser sollen einen kleinen Kelch haben, damit sich der Wein beim Stehen nicht zu schnell erwärmt. Die Duftnoten sind dann besser wahrzunehmen.

Bei Rotwein unterscheidet man zwischen älteren und jüngeren Weinen. Die letzteren bedürfen je nach Gerbstoffgehalt eines grösseren oder kleineren Kelchs. Ein grösserer Kelch wird mehr Luft an den Wein bringen und ihn somit geschmeidiger erscheinen lassen. Sehr alte Rotweine werden allerdings durch eine plötzliche und allzu reichliche Oxidation leiden.

Hochwertige alte Weine gewinnen, wenn sie in kleineren Gläsern serviert werden. Als Regel könnte gelten, dass die auf einmal zu servierende Weinmenge nicht mehr als die Hälfte des Glases betragen sollte, jedoch maximal 0,125 Liter.

Flaschenweinlagerung

Ideale, aber im Privathaushalt selten vorkommende Lagerbedingungen sind: Minimale Temperaturschwankungen, möglichst 10 bis 14°C, nicht über 15°C, Luftfeuchtigkeit 70%, weil Korken nicht austrocknen dürfen und Schimmelbildung vermieden werden soll. Helles Licht ist ebenso schädlich wie Erschütterungen. Zwiebeln, Farbe, Benzin oder andere stark riechende Substanzen dürfen nicht zusammen mit den Weinflaschen gelagert werden. In der Wohnung sind Küche und Wohnzimmer die falschen Lagerplätze. Vieleicht lässt sich in einer Diele ein kleiner Raum abtrennen und isolieren. Gestapelte Tonröhren oder ähnliche Bauelemente sorgen zusätzlich für gleichmässige Temperaturen für die Weinflaschen. Wein soll liegend aufbewahrt werden - Rotwein oben, da bekanntlich die Wärme hochsteigt und die Rotweine allgemein weniger empfindlich sind - Weissweinflaschen unten. Für die Gastronomie empfiehlt es sich einen speziellen Flaschenkühlschrank anzuschaffen.

Einfluss von Temperatur und Luft

Leichte, frische Weissweine sowie ältere, feingliedrige Rotweine mit viel Reife und weniger Körper brauchen wenig Luftkontakt. Sehr kräftige junge Rotweine sowie ältere Rotweine mit starkem Säure-, Alkohol- und Gerbstoffrückgrat benötigen viel Luftkontakt. Hier empfiehlt es sich, den Wein aus einer Karaffe zu kredenzen. Sekt und Schaumweine brauchen kaum Luftkontakt. Es empfiehlt sich trotzdem, nach dem Öffnen der Flasche abzuwarten bis die Kohlensäure sich beruhigt (2-3 Min.). Die Luft sorgt für eine gute Entwicklung der Aromastoffe (flüchtige chemische Verbindungen, die durch Luftkontakt riechbar und schmeckbar werden).

Ältere Weine, die einen deutlichen Alterston aufweisen, dürfen so wenig wie möglich mit der Luft in Kontakt bekommen.
  • Weisswein: jung (1-5 Jahre), 8 - 10°C; älter (5-10 Jahre), 10 - 12°C
  • Rosé: jung (1-3 Jahre), 10 - 12°C; älter (3-5 Jahre), 12 - 14°C
  • Rotwein: jung (1-3 Jahre), 14 - 16°C; älter (4-10 Jahre), 16 - 18°C
  • Sekt/Schaumwein: 8 - 10°C
Höhere Temperaturen vermindern die Empfindung von Frucht, Säure und Gerbsäure. Weisswein schmeckt breit und plump, wenn er zu warm serviert wird. Bei Schaumweinen wirkt Kohlensäure zu aggressiv.
Niedrige Temperaturen erhöhen die Empfindung von Frucht, Säure und Gerbsäure. Hochwertige, gerbstoffreiche Rotweine verlieren bei zu niedrigen Temperaturen den grössten Teil ihrer Geschmacksnuancen, da die Gerbsäure zu stark hervortritt.

Wein und Gesundheit

"Trinke nicht mehr nur Wasser, sondern brauche ein wenig Wein um deines Magens wille, und weil du oft krank bist." Das sagte Apostel Paulus in einem Brief an seinen Schüler Thimotheus. Die grosse gesundheitliche Bedeutung des Weines ist seit langem bekannt. Schon im Mund wird die Speichelbildung angeregt und eine Art Vorverdauung eingeleitet. Im Verdauungstrakt selbst werden die Drüsen zu vermehrter Bildung von Verdauungssekreten und Fermenten stimuliert. Wein erweitert die Gefässe und fördert die Durchblutung. Motorik und Aufnahmebereitschaft des Magens werden positiv beeinflusst.

Wertvoll ist die bakterienhemmende Wirkung der organischen Säure von Weissweinen, vor allem bei denjenigen, die nach der alkoholischen auch ihre malolaktische Gärung vollzogen haben.

Bei Rotweinen entsteht die antibakterielle Wirkung durch die Gerbstoffe (Tannine) und weniger durch den Alkohol. Sie machen Schleimhäute des Magens und des oberen Darmabschnittes unempfindlich. Sie wirken gewebeabdichtend und verzögern auf diesem Wege die Aufnahme des Alkohols ins Blut.

Es ist allgemein bekannt, dass Sekt, in Massen getrunken, ein unschädliches Mittel zur Anregung des Kreislaufs sei. Der berühmte Chirurg Sauerbruch (1875-1951) verordnete seinen frisch operierten Patienten ein Glas Sekt. Er wusste, dass die Kohlensäure im Wein die Gefässdurchblutung fördert. Sekt ist daher ein nicht zu unterschätzender "Stimmungsmacher".

Selbst Alkohol ist für unseren Organismus kein fremder Stoff. Alkohol entsteht auf natürliche Weise durch Gärungsvorgang im Magen und im Darm. 0,003 bis 0,03 Promille sind normal und unsere Leber besitzt ja die Fähigkeit, Alkohol abzubauen. Ein Lehrsatz allerdings, den der Arzt und Naturforscher Paracelsius vor über 400 Jahren formulierte, gilt unverändert: "Die Dosis macht es zu Gift". Zu reichlicher Genuss von stark gerbstoffhaltigen Weinen kann zu Gastritis, Magenbeschwerden und Erbrechen führen.

In vernünftigen Mengen getrunken wirkt Wein auf unseren Körper wie ein wahres Elixier. Schon Sir Alexander Fleming, der Entdecker des Penizillins, sagte: "Penizillin heilt Menschen, Wein macht sie glücklich".
 
 


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